Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren zur Lösung von Konflikten. Kommunikationsprobleme und emotionale Verletzungen sind - gleichermaßen bei Gesellschafterstreitigkeiten wie im familiären Bereich - Hauptursache von Konflikten. Dies führt dazu, dass bei einem Streit häufig nicht um das eigentliche Streitthema gerungen wird, sondern um stellvertretende Positionen. Vielfach führt im Falle streitiger Auseinandersetzung vor Gericht der Sieg des Einen dazu, dass der Unterlegene sich ein neues „Betätigungsfeld“ sucht oder aber der Obsiegende wegen des Umstandes, Recht bekommen zu haben, Anlass für weitere Konflikte bietet. Denn das vor Gericht unerkannte Problem hinter dem Streit kann vor Gericht nicht gelöst werden. Ist der eigentliche emotionale Konflikt, den die Beteiligten häufig nicht einmal selbst erkennen, von ihnen jedoch selbst und für beide Seiten zufriedenstellend über Mediation gelöst, so verringert sich die Gefahr eines Folgestreits deutlich.

 

Die Anfänge der Mediation gehen in die Antike zurück. Später – zur Zeit des Westfälischen Friedens – kam das Verfahren zur Errichtung des diesem Frieden zugrundeliegenden Vertrages von 1643-1648 zur Anwendung. Auch der Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel aufgrund des Camp David Abkommens aus dem Jahr 1978 kam durch Mediation zustande. Seit etwa den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Mediation in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen. Neben der Lösung politischer Probleme können insbesondere auch Streitigkeiten im Wirtschaftsumfeld, etwa bei Gesellschafterstreitigkeiten oder im Rahmen von Großprojekten, über Mediation gelöst werden. So wurden das Verfahren um den Ausbau des Frankfurter Flughafens (1998-2000) und Flughafens Wien (2000-2005) bereits mit Erfolg über Mediationen abgeschlossen. Auch bei Konzernen wie der Fa. Motorola hat die Mediation seit 1989 als erfolgreiche Form der Konfliktlösung Eingang in den unternehmerischen Alltag erlangt. Als weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Mediationsverfahren kann ferner die Beilegung einer Streitigkeit in einer Größenordnung von umgerechnet 100 Mio. € zwischen der Hollandsche Beton Groepnv (HBG) und der Wayss & Freytag AG im Jahr 2000 aus Anlass eines Aktienkauf- und Übertragungsvertrages genannt werden.

 

Die hohe Akzeptanz einer durch Mediation gefundenen Lösung beruht darauf, dass ausschließlich die Konfliktparteien innerhalb des Prozesses an der Entwicklung der Ergebnisse beteiligt sind. Das unterscheidet die Mediation von einem gerichtlichen Verfahren oder Schiedsverfahren, an dessen Ende ein richterliches Urteil mit Gewinner und Verlierer stünde. Mediation fragt nicht nach Gewinnern, Verlierern oder Schuld. Im Mediationsprozess entstehen neue Ansätze, die unkonventionelle Lösungen beinhalten können. Die Ergebnisse einer Mediation gehen damit auch über einen herkömmlichen Kompromiss hinaus, der bei gerichtlichen Vergleichen häufig den Verfahrensabschluss bildet.

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